unverständlich

Eigentlich bin ich sonntags niemals online. Der Tag ist der Schwierigste der Woche, und was ich dann schreibe, kann man oft vergessen. Aber das Unglück auf der Loveparde lässt mich nicht los, und wieder einmal stelle ich mir die Frage, wie merkwürdig die Menschen doch drauf sind.

Für jeden Dreck braucht man in Deutschland Genehmigungen. Manchmal gleicht der Gang durch die Ämter dem Kampf gegen Windmühlen. Fast alles ist reglementiert - Stichwort: Bei Tod des Beamten ist die Dienstreise zuende. In Duisburg wurde offenbar nicht geprüft, aus welchen Gründen auch immer. Es ging ja auch nur um ein Event mit mehr als einer Million Menschen. Wie kann es angehen, dass ein Veranstalter ein Gelände für vielleicht 400.000 Leute ins Auge fasst, wenn 1,4 Millionen kommen? Wie konnte man so naiv sein, frei nach dem Motto, wird schon gut gehen, wo doch bereits vor Jahren in Essen eine unglaubliche Enge geherrscht hat? Klar, wo Menschen sind, gibt es Fehler. Aber die hier hätte man vielleicht vorher verhindern können?

Frau Merkel, von der man hoffte, sie mal zwei Wochen nicht zu sehen, und Herr Wulff hatten schnell die üblichen Floskeln zur Hand. Das gehört zum Spiel, jeder andere Politiker hätte es genauso gemacht. Nur - warum eigentlich? Weder Herr Wulff noch Frau Merkel haben sich bisher als besondere Förderer junger Menschen hervorgetan. Mit Ravern haben beide gewiss noch viel weniger zutun, und dass die beiden einen Teilnehmer der Parade persönlich kannten bzw kennen, schließe ich auch mal eher aus. Warum also diese Heuchelei? Niemand verlangt von anderen, dass man trauert, wenn Menschen sterben, die man nicht kannte. Das Unglück ist schrecklich, es beschäftigt viele, alles keine Frage. Aber Trauer kann wohl nicht möglich sein, wenn man die Betroffenen nicht kannte. Die Menschen wissen auch, dass sich weder Herr Wulff noch Frau Merkel wirklich dafür interessieren. Und die beiden wissen wahrscheinlich, dass die Menschen das wissen. Dennoch immer dasselbe Spiel mit sinnentleerten Worten. Würden Tiere sich so gegenseitig anheucheln? Undenkbar... .

Die Presse hat mit ihrer Berichterstattung - man schaue nur im Laden auf das Titelbild der BamS - mal wieder gezeigt, dass man aus Winnenden und dem dortigen Fehlverhalten nichts gelernt hat.Meine persönliche Favoritin war allerdings bereits gestern abend jene Journalistin, die sich beklagte, dass sie von manchen Überlebenden aggressiv angegangen wurde, weil sie fleissig sterbende Menschen fotografierte. Dazu ein Gesicht voller Unverständnis und Dummheit. Dazu fällt mir nur eines ein, das hat nämlich schonmal jemand besser formuliert als ich es könnte:

Der Prophet in diesen Tagen, wisst ihr, wer es ist, das Geschwür in meinem Magen nennt sich Journalist

Dem ist jetzt nichts mehr hinzuzufügen...

 

25.7.10 13:32

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Alo / Website (26.7.10 17:54)
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http://saschalobo.com/2010/07/25/zur-loveparade-in-duisburg/

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